Ausgerutscht im SupermarktAusgerutscht im Supermarkt. Ob ein Supermarktkunde Anspruch auf ein Schmerzensgeld hat, wenn er auf einer frisch geputzten Stelle ausrutscht, nachdem kurz vor seinem Sturz ein Mitarbeiter des Geschäfts genau an diesem Unfallort eine Verunreinigung entfernte, belegt ein Gerichtsurteil.

Ausgerutscht im Supermarkt

20.3.2017 (verpd) Hat die Geschäftsleitung eines Supermarktes alles ihr Zumutbare unternommen, um Gefahren für die Kunden abzuwenden, so hat ein Besucher des Marktes im Falle eines Unfalls in der Regel keinen Anspruch auf Zahlung von Schmerzensgeld oder Schadenersatz. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts München hervor (Az.: 158 C 21362/15).

Eine Frau hatte einen Supermarkt aufgesucht, um dort einzukaufen. Im Bereich einer Aktionsfläche wurde für einen Rotwein geworben, dessen Flaschen dort aufgeschichtet waren. Als die Frau den Bereich passieren wollte, rutschte sie aus. Bei dem sich anschließenden Sturz zog sie sich erhebliche Verletzungen zu.

Dafür machte sie den Betreiber des Supermarkts verantwortlich. Denn wie sich herausstellte, war die Unfallstelle kurz zuvor gereinigt worden. Dort war nämlich eine der Flaschen zu Bruch gegangen. Auf dem Boden befand sich jedoch noch eine nicht beseitigte Putzwasserlache, die der Frau zum Verhängnis wurde.

Verhängnisvolle Putzwasserlache

Nachdem sich der Betreiber des Ladens geweigert hatte, der Klägerin ein von ihr gefordertes Schmerzensgeld sowie Schadenersatz zu zahlen, landete der Fall vor dem Münchener Amtsgericht. Dort erlitt die Frau eine Niederlage.

Nach Ansicht des Gerichts hat das Personal des Supermarktes alles ihm Zumutbare unternommen, um die Kunden nach dem Zwischenfall mit der zerborstenen Weinflasche vor Schäden zu bewahren. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme wurde nämlich unverzüglich damit begonnen, die spätere Unfallstelle zu reinigen und die Scherben zu beseitigen.

Zum Zeitpunkt des Unfalls befand sich der mit der Beseitigung des Malheurs betraute Mitarbeiter auf dem Weg ins Lager, um eine Putzmaschine zu holen, um den Fußboden endgültig in den vorherigen Zustand zurückzuversetzen.

Kein absoluter Schutz vor Unfällen

Für das Gericht war daher nicht ersichtlich, welche Maßnahmen noch veranlasst gewesen sein sollten, um Schaden von der Klägerin abzuwenden. Der Betrieb sei auch nicht dazu verpflichtet gewesen, Warnschilder aufzustellen. „Denn dies würde die Pflichten überspannen und den Verkehrssicherungs-Pflichtigen über das wirtschaftlich zumutbare Maß hinaus belasten“, so das Gericht.

Im Fall der Klägerin hat sich daher das allgemeine Lebensrisiko verwirklicht. Denn auch der Betreiber eines Supermarktes schuldet seinen Kunden gegenüber keine absolute Sicherheit. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.

Übrigens: Sollte bei einem Unglücksfall mit gesundheitlichen Folgen kein anderer dafür haften, gibt es auch Versicherungslösungen wie eine private Unfall- und/oder Berufsunfähigkeits-Versicherung, um finanzielle Schwierigkeiten zu vermeiden. Denn in der Regel reichen die gesetzlichen Absicherungen durch die Sozialversicherungen nicht aus, um in diesen Fällen die Einkommenseinbußen auszugleichen.