Wenn ein Unfall im Praktikum oder Ferienjob passiert

 
Schüler oder Studenten, die als Praktikanten und Ferienjobber tätig sind, stehen während dieser Tätigkeit unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Dennoch reicht dieser Unfallschutz in vielen Fällen nicht, um finanziell abgesichert zu sein.

Wenn ein Unfall im Praktikum oder Ferienjob passiert

Wenn ein Unfall im Praktikum oder Ferienjob passiert

 

2.5.2017 (verpd) Wie alle anderen Arbeitnehmer sind auch Ferienjobber und Praktikanten bei Arbeits- und Wegeunfällen gesetzlich unfallversichert. Diese Absicherung alleine ist jedoch lückenhaft.

Arbeitnehmer stehen während ihrer beruflichen Tätigkeit sowie auf dem Weg zwischen ihrem Zuhause und der Arbeitsstätte unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Ähnliches gilt auch für Schüler oder Studierende. Auch sie haben einen gesetzlichen Unfallschutz am Unterrichtsort und auf dem Weg von zu Hause dorthin oder zurück.

Beim gesetzlichen Unfallschutz der Arbeitnehmer spielt es gemäß der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) keine Rolle, wie lange das Arbeitsverhältnis dauert oder wie viel Lohn bezahlt wird. Normale Arbeitnehmer sind daher genauso über den für den Arbeitgeber zuständigen Unfallversicherungs-Träger gesetzlich unfallversichert wie Minijobber – zum Beispiel Ferienjobber – oder Praktikanten. Bei Schulpraktika sind die Praktikanten in der Regel über die Schüler-Unfallversicherung versichert.

Für Praktikanten und Ferienjobber kostenfrei

 
Schüler, Studenten und Arbeitnehmer, also auch Ferienjobber und Praktikanten, müssen nach Angaben des DGUV für den gesetzlichen Unfallversicherungs-Schutz keinen eigenen Betrag zahlen. Weitere Details zur gesetzlichen Unfallversicherung für Schüler und Studenten, die ein Praktikum oder einen Ferienjob ausüben wollen, enthält die herunterladbare Broschüre „Unfallversicherung für Praktikanten und Ferienjobber“ des DGUV.

So beginnt nach Angaben der Broschüre wie bei allen anderen Arbeitnehmern der Versicherungsschutz für Praktikanten und Ferienjobber ebenfalls am ersten Arbeitstag und bezieht den Weg zur Arbeitsstelle und zurück nach Hause mit ein. Wer aufgrund eines Arbeits- oder Wegeunfalls ärztliche Hilfe benötigt, muss nicht seine Krankenversicherungs-Karte vorlegen, da die Behandlungskosten in diesem Fall vom zuständigen Unfallversicherungs-Träger getragen werden.

Ist nämlich ein Unfall passiert, der durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt ist, übernimmt diese unter anderem die Kosten für eine notwendige medizinische Versorgung und/oder Rehabilitation und gewährt unter Umständen auch eine Entschädigungsleistung. Kommt es aufgrund eines solchen Unfalls zu einer dauerhaften eingeschränkter Erwerbsfähigkeit, zahlt die gesetzliche Unfallversicherung beispielsweise eine Rente und bei Pflegebedürftigkeit auch Pflegeleistungen.

Wenn ein Unfall dauerhafte Folgen hat

 
Dennoch muss ein Betroffener, auch wenn ihm Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung zustehen, mit einer teils erheblichen finanziellen Eigenbelastung rechnen. So ist die Rente wegen Erwerbsminderung von der gesetzlichen Unfallversicherung in der Regel nicht so hoch, dass man das Einkommen einer normalen Tätigkeit dauerhaft ausgleichen könnte.

Die Höhe einer Rente von der gesetzlichen Unfallversicherung wegen einer hundertprozentigen Minderung der Erwerbsfähigkeit beträgt nämlich maximal zwei Drittel des sogenannten Jahresarbeits-Verdienstes (JAV). Bei Personen, die noch keinen oder nur einen sehr geringen Verdienst haben, wird ein Mindest-JAV zugrunde gelegt, dessen Höhe sich nach dem Alter des Betroffenen richtet. Bei 15- bis 18-Jährigen werden als JAV mindestens 40 Prozent und bei über 18-Jährigen mindestens 60 Prozent der jeweiligen Bezugsgröße in West- oder Ostdeutschland herangezogen.

Ein über 17-jähriger Praktikant würde somit eine monatliche Vollrente in Höhe von rund 793 Euro in West- und etwa 709 Euro in Ostdeutschland erhalten – zu niedrig, um auf Dauer alleine davon leben zu können.

Gesetzliche Absicherungslücken

 
Es gibt aber auch zahlreiche Unfälle, die nicht unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung fallen. Wer beispielsweise auf dem Schul- oder Arbeitsweg von der direkten oder verkehrstechnisch besten Strecke abweicht, um einkaufen zu gehen oder andere private Angelegenheiten zu erledigen, und dabei verunfallt, hat keinen gesetzlichen Unfallschutz. Außerdem fallen nahezu alle Unfälle, die in der Freizeit passieren, nicht unter den gesetzlichen Unfallschutz.

Wie in der genannten Broschüre des DGUV ausgeführt ist, sind aber auch Ferienjobber oder Praktikanten im Ausland in der Regel nicht gesetzlich unfallversichert. Das gilt selbst dann, wenn es sich bei dem Arbeitgeber um ein deutsches Unternehmen handelt. Die gesetzliche Unfallversicherung hat demnach diverse Absicherungslücken. Zum einen fallen die meisten Unfälle wie Freizeitunfälle nicht unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Zum anderen, selbst wenn der gesetzliche Unfallschutz greift, sind die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung zum Teil nicht ausreichend, um die Folgekosten abzudecken. Die private Versicherungswirtschaft bietet jedoch diverse Lösungen an, um sicherzustellen, dass man bei einem Unfall, egal wo und wann er passiert, ausreichend abgesichert ist. Einen solchen Rundumschutz gewährleistet beispielsweise eine private Unfall- und/oder eine Erwerbsunfähigkeits-Police.