Wie der Familienstand das Altersarmutsrisiko beeinflusst

 

Wie sich das Einkommen im Alter über die letzten Jahrzehnte entwickelt hat, wie hoch das Armutsrisiko ist und wie es sich zukünftig entwickeln könnte, zeigt eine aktuelle Untersuchung.

Wie der Familienstand das Altersarmutsrisiko beeinflusst

Wie der Familienstand das Altersarmutsrisiko beeinflusst

 

22.5.2017 (verpd) Die Zahl der Rentner, die staatliche finanzielle Hilfe benötigt, um ihren Lebensunterhalt nicht zuletzt aufgrund ihrer geringen gesetzlichen Rente bestreiten zu können, ist gestiegen. Der gesellschaftliche Trend zu Singlehaushalten könnte das Armutsrisiko für zukünftige Ruheständler sogar weiter erhöhen. Zu diesem und anderen Ergebnissen kommt unter anderem das Institut der deutschen Wirtschaft Köln in einer Untersuchung.

Trotz der regelmäßigen Rentenerhöhungen steigt die Zahl der Bezieher von Grundsicherung in Deutschland. Die Grundsicherung ist eine Sozialleistung, die aus Steuermitteln finanziert und an Rentner ausbezahlt wird, deren Rente und sonstiges Alterseinkommen so niedrig ist, dass sie damit nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten können, also eine Art Sozialhilfe für Rentner.

2015 hat sie bei den über 65-Jährigen bei 536.121 gelegen, was einer Quote von 3,1 Prozent entspricht, 2005 waren es noch 2,2 Prozent, dies zeigte der vom Paritätischen Gesamtverband vorgestellte „Bericht zur Armutsentwicklung in Deutschland 2017“. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) kam in einer anderen Studie zu einem ähnlichen Ergebnis.

Wie sich der Lebensstandard im Alter verändert hat

Für die Studie des IW wurden die mittleren Einkommensverhältnisse mit den Daten des sozio-ökonomischen Panels ermittelt und die Entwicklung über die letzten Jahrzehnte miteinander verglichen. Die Studie beantwortete anhand dessen die Frage, ob und wie sich der Lebensstandard im Alter verändert hat. Darüber hinaus wurde untersucht, inwiefern diese Entwicklung durch veränderte Haushaltsstrukturen beeinflusst wurde und welche Herausforderungen sich daraus für zukünftige Rentner entwickeln können.

Für die Untersuchung wurde die Höhe des bedarfsgewichteten Nettoeinkommens als Grundlage herangezogen. Diese berechnet sich aus regelmäßigen und unregelmäßigen Arbeitseinkommen sowie Kapital- und Vermögenseinkommen des Vorjahres. Auch die Nettomietvorteile aus selbstgenutztem Wohneigentum wurden berücksichtigt.

Rentner beziehen immer mehr Sozialleistungen

Die Studie kam zu dem Schluss, dass immer mehr Menschen über 65 Jahren auf die staatliche Grundsicherung nach SGB XII (Zwölftes Sozialgesetzbuch) angewiesen sind: 2015 waren es 3,1 Prozent, 2005 noch 2,2 Prozent der Senioren ab 65 Jahren. Die Bezugsquote lag aber noch weit unter der SGB-II-Quote der Bevölkerung unter 65 Jahren, also der anteiligen Bezieher von sogenannten Hartz-VI-Leistungen, die im Jahr 2015 bei knapp zehn Prozent lag.

Als mögliche Ursache für den Quotenanstieg bei Senioren nennen die Autoren zum einen die reale Verschärfung der sozialen Lage. Aber auch der Wechsel von der Sozialhilfe zur Grundsicherung, die das Einkommen der Kinder nicht mehr berücksichtigt, könnte den Anstieg bewirkt haben. Dies hätte zuvor vermutlich viele Ältere vor der Inanspruchnahme der Leistungen abgehalten.

Gesetzliche Rente macht Großteil des Haushaltseinkommens aus

Trotz der Absenkung des allgemeinen Rentenniveaus blieb die flächendeckende Verbreitung von Altersarmut bisher aus, so ein weiteres Studienergebnis. Das könnte daran liegen, dass jetzige Rentner bereits in der Phase der Erwerbstätigkeit privat gut vorgesorgt haben, heißt es in den Studienunterlagen. Die Untersuchung zeigt – aufgeteilt in das ärmste, mittlere und reichste Drittel der Ruheständler –, wie sich das Haushalts-Bruttoeinkommen der Rentner in Westdeutschland 2014 zusammensetzt und wie sich die Gewichtung von Einkommensarten im Alter verändert hat.

Die gesetzliche Rente habe in den letzten Jahren zwar an Bedeutung verloren, mache aber durchschnittlich immer noch gut drei Viertel des Einkommens Älterer aus. Im ärmsten Drittel sind es sogar 85 Prozent, im reichsten nur noch 62. In Paarhaushalten zeigt sich zudem, dass der Anteil der gesetzlichen Rentenleistungen von Frauen seit 1984 stetig anstieg. Während Mitte der 1980er-Jahre Männer noch 83 Prozent zu den gesamten selbst erwirtschafteten gesetzlichen Renten des jeweiligen Haushalts beitrugen, waren es 2014 nur noch 71 Prozent.

Wohlhabende Rentner gehen häufiger arbeiten

Die Studie zeigt zudem, dass Rentner immer häufiger noch erwerbstätig sind. Parallel dazu steigt auch der Anteil des Arbeitseinkommens am Gesamteinkommen im Alter. Ebenso scheinen private Vorsorgeleistungen immer mehr an Bedeutung zu gewinnen.

Rentner aus dem reichsten Drittel beziehen zu fast 20 Prozent noch Einkünfte aus einer Erwerbstätigkeit, während dies im ärmsten Drittel nur knapp fünf Prozent tun. Das könne ein Hinweis darauf sein, dass das Arbeitseinkommen im Alter eher weniger aus einer finanziellen Notlage heraus erfolge, vermuten die Studienautoren.

Anstieg des Armutsrisikos durch Singlehaushalte

Nicht nur die finanzielle Situation allein, auch der Haushaltskontext habe einen direkten Einfluss auf das Armutsrisiko im Alter, heißt es in der Studie weiter. Paare haben durchschnittlich einen höheren Lebensstandard als Alleinlebende. Der gesellschaftliche Trend zu mehr Singlehaushalten könne demnach künftig zu einem höheren Armutsrisiko im Alter führen.

Aktuell gäbe es einen deutlichen Anstieg an Singlehaushalten in der Gruppe der 55- bis 65-Jährigen. Das weise darauf hin, dass es künftig weitaus mehr Senioren-Singlehaushalte geben wird und somit das Armutsrisiko deshalb steigen könnte. Frauen ab 65 Jahren leben zudem aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung mehr als doppelt so häufig allein wie gleichaltrige Männer.